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Die Liebe ist ein Schmetterling von Lena Elfrath. weissbooks.w, € 24,00

 

Ein bewegendes und sehr besonderes Debüt der jungen Frankfurter Journalistin und Autorin Lena Elfrath: Vier Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten – vier jungen Menschen in der Großstadt, jeder auf der Suche nach Freiheit und Selbstverwirklichung. Das quirlige Model und Partygirl Fiona, der freiwillig obdachlos lebende Maik, die selbstlose Aline, die sich für ihren Mann und dessen Karriere aufopfert, und schließlich der rücksichtslose Moneymaker Achim – allesamt Glücksucher, unterwegs auf entgegengesetzten Wegen, in grundverschiedenen Milieus.

In temporeich erzählten Short-Cuts präsentiert uns die Autorin ihre Figuren und deren Geschichten – aufregende Lebenswege, die divergieren und sich dennoch hin und wieder kreuzen. Ein toller Debütroman, der jeden, der ihn in die Hand nimmt, nicht wieder loslassen wird. Versprochen!

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'Und draußen weht ein fremder Wind...' Über die Meere ins Exil von Kristine von Soden. AvivA, € 19,90


Den Weg über das Meer wählen die Flüchtenden und Heimatlosen, Grenzen werden geschlossen, Schiffspassagen gestrichen, Häfen gesperrt. Manchen gelingt die Suche nach Zuflucht – manche stranden, andere scheitern. Kristina von Soden hat ein Buch geschrieben, das die Wege der Hoffnungsvollen und der Verzweifelten beschreibt, die Wege, die zurückgelegt wurden, um Pässe, Aus- und Einreisepapiere, Transitvisen, Schiffskarten, Affidavits und finanzielle Unterstützungen zu beschaffen. Eindringlich beschreibt sie die Mühen der jüdischen Emigrantinnen, darunter Monika Mann, Mascha Kaléko und Else Lasker-Schüler, das Meer zu überwinden. Aber auch den Unbekannteren unter ihnen gibt sie eine Stimme und erzählt ihre unvergesslichen Geschichten, die von Berlin, Shanghai über New York bis nach Palästina/Israel führen. Das wunderbar geschriebene Buch ist im AvivA Verlag erschienen. Ein Kleinod, das in seiner aktuellen Brisanz viel mehr als reine Fakten offenbart.

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Augustus von John Williams. Übersetzt von Bernhard Robben. dtv, € 24,00

 
„Augustus“ ist eine Art Briefroman. Der Autor spielt mit fiktiven Dokumenten, Briefen, Notizen und Tagebuchfragmenten, durch die er Familienmitglieder, Weggefährten und Kontrahenten des Protagonisten zu Wort kommen lässt.
Im ersten Teil des Buches begleiten wir den jungen Octavian (den späteren Augustus) beim Aufstieg und der Sicherung seiner wachsenden Macht bis zur Vernichtung seines größten Gegners Marcus Antonius. Dabei kommt Octavian nicht selbst zu Wort, seine Handlungen werden von anderen Figuren kommentiert und gedeutet. Dadurch entsteht eine gewisse Distanz und der Leser muss sich auf den jeweiligen Erzähler und dessen Belange und Interessen verlassen. Williams gelingt es großartig, den zahlreichen Figuren einen speziellen, charakteristischen und oft witzigen Tonfall zu verleihen.
Augustus Tochter Julia wird zur zentralen Gestalt im zweiten Teil. Ihr Schicksal, die Verbannung durch den Vater, der sie zwar liebt, sie aber aus politischen Motiven in drei Ehen zwingt und so die Zerstörung der Familienbande in Kauf nimmt, werden anhand ihrer autobiografischen Aufzeichnungen geschildert.
Im letzten Teil blickt Augustus zehn Tage vor seinem Tod auf sein Leben zurück. Dabei beschreibt er den Dualismus von Wirken und Wollen und die Bedeutungslosigkeit der eigenen Existenz. Es ist eine der eindringlichsten Stellen in diesem brillanten Buch.

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Du sagst es von Connie Palmen. Übersetzt von Hanni Ehlers. Diogenes, € 22,00


 
Cambridge 1956: Sylvia Plath und Ted Hughes lernen sich kennen und ihre Liebesgeschichte beginnt. Heirat. Die gemeinsame Ehe ist geprägt von Misstrauen, Konkurrenz, Depressionen, Eifersucht und der Sorge ums Einkommen. Aber auch von tiefer Liebe, gegenseitiger literarischer Bewunderung, starker Anziehung und dem Wunsch, mit zwei gemeinsamen Kindern eine Familie zu sein.
Als der literarische Erfolg ausbleibt und Hughes Sylvia Plath verlässt, wählt sie den Freitod und macht ihn damit zum Verräter – zum „Schuldigen“. Hughes schweigt und widmet sich zeitlebens dem literarischen Nachlass seiner Ehefrau. 1998, kurz vor seinem Tod, veröffentlicht Hughes den Gedichtband, „Birthday Letters“, in dem er sich erstmals über seine Liebe zu Plath äußert. Diese Gedichte haben Connie Palmen inspiriert, dem vermeintlich Schuldigen eine Stimme zu verleihen und die Liebesgeschichte aus seiner Sicht schildern.
Herausgekommen ist ein wundervoll fragiler, fast märchenhaft erzählter Roman über zwei Menschen, die füreinander bestimmt zu sein schienen, letzten Endes jedoch aneinander zerbrochen sind – eine faszinierende Einladung, sich mit den Werken beider näher zu befassen.

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Ein langes Jahr von Eva Schmidt. Jung und Jung, € 20,00

In 38 Episoden erzählt Eva Schmidt aus dem Leben einer Handvoll Stadtbewohner. Der Ort: eine Siedlung am Stadtrand mit Blick auf den großen See. Die Figuren: lauter Antihelden. Der Ton: zurückhaltend. Die Komposition: raffiniert. Stück für Stück lernt der Leser eine Gruppe von Menschen kennen – Kinder, Frauen und Männer. Langsam, ganz langsam zeigen sich Zusammenhänge, werden aus Punkten allmählich Linien. Steigt die Spannung, trotz der großen Distanz, mit der die Autorin ihre Figuren zeichnet. Und das sind Stereotypen wie der 11-jährige Joachim, der heimlich Frauenkleider anzieht, die alleinerziehende Mutter seines Freundes Ben, die raucht und zu viel trinkt, zu kurze Röcke trägt und zu laut lacht, oder die Fotografin, die zielstrebig ihren Selbstmord plant. Diese Menschen, sie beobachten einander und wollen dabei auf gar keinen Fall gesehen werden. Sie sehnen sich nach Nähe und lassen doch selbst keine zu. „Reißt doch mal den Himmel auf“, möchte man ihnen zurufen und ist erleichtert ob der Natur, der Ewigen, der Konstanten. Ob der vielen Hunde, die „Hemingway“ oder „Albuquerque“ heißen und die der Mensch scheinbar braucht, um gefahrlos zu lieben. Und schließlich auch ob all dieser Beziehungsgestörten, die, wie wir, alle nichts Besonderes sind und dennoch alle einzigartig.

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Die Vegetarierin von Han Kang. Übersetzt von Ki Hyang-Lee. Aufbau, € 18,95

 

Der südkoreanischen Schriftstellerin Han Kang ist ein beeindruckender, radikaler Roman gelungen, der den Leser aufwühlt und viele Fragen aufwirft.
Aus unterschiedlichen Perspektiven wird die Geschichte der jungen Yong-Hye beschrieben, die ein unscheinbares, in jeder Hinsicht durchschnittliches Leben führt, bis sie von einem Tag auf den anderen beschließt, kein Fleisch mehr zu essen. Ihr Ehemann versteht die Welt nicht mehr und betrachtet den Vegetarismus seiner Frau als subversiven Akt, mit dem sie gegen die Normen der südkoreanischen Gesellschaft verstößt – einer Gesellschaft, für die Fleisch bei den Mahlzeiten traditionell eine zentrale Rolle spielt. Die Situation eskaliert bei einem Familienessen und führt zu einem Selbstmordversuch und zur vorübergehenden Einweisung Yong-Hyes in eine Klinik. Sie isst nun immer weniger, denn sie möchte möglichst ‚pflanzengleich’ leben – allein von Sonnenlicht und Wasser. Ihr Schwager, ein Video- und Installationskünstler, scheint ihre Fantasie zu teilen: Bei einem erotischen Arrangement bemalt er ihren Körper mit Blumen – Yong-Hye hofft, auf diese Weise Pflanzliches und Menschliches miteinander verbinden zu können.

Han Kang erzählt überaus temporeich und fesselnd vom Aufbegehren einer jungen Frau – vom Bestreben, einengende Konventionen abzustreifen, und vom Recht auf Rebellion. Ein imponierender Roman, für den seine Autorin 2016 mit dem renommierten „International Booker-Prize“ ausgezeichnet wurde.

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Das Leben und die Liebe von Anton Hansen Tammsaare. Übersetzt von Irja Grönholm. Guggolz, € 24,00

Anton Hansen Tammsaare (1878-1940) wurde durch sein umfängliches und einflussreiches Werk zum estnischen Nationaldichter. Auch international sind seine Bücher von großer Bedeutung, Übersetzungen seiner Romane gibt es in nicht weniger als 30 Sprachen. Das vorliegende, im Original 1934 erschienene Buch ist das einzige des Autors, das bis dato nicht ins Deutsche übertragen wurde – ein Umstand, dem der ambitionierte Guggolz Verlag jetzt ein Ende bereitet hat.

Die Handlung des Romans lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Das naive Mädchen Irma kommt mit großen Erwartungen und vielen Träumen vom Land in die Großstadt, verliebt sich dort in den erfahrenen, undurchsichtigen Geschäftsmann Rudolph Ikka, heiratet ihn – und die Ehe endet in einer Katastrophe. In diesem äußerst modern erzählten Roman wird auf faszinierende Weise von Liebe, Lüge, Treue, Glück und Tod berichtet: Es gibt keinen allwissenden Erzähler, die Menschen teilen ihre heterogenen Vorstellungen vom Leben und ihre unterschiedlichen Meinungen zu den Geschehnissen in spannenden, vielschichtigen Erörterungen mit. Dem Leser stellt sich mehr und mehr die Frage: Kann Irma ihre unglaubliche Naivität ablegen? Oder wird Ihre Liebe zu Rudolph Ikka unerschütterlich bleiben?

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Durch Mauern gehen. Autobiografie von Marina Abramović. Übersetzt von Charlotte Breuer & Norbert Möllemann. Luchterhand, € 28,00

 
New York 2010: „The Artist is Present“ findet im Museum of Modern Art statt. Marina Abramović sitzt an einem Tisch und lädt die Besucher ein, ihr gegenüber Platz zu nehmen. Sie schaut die Besucher an, schweigt. Nach 721 Stunden haben ihr 1500 Menschen gegenüber gesessen. Abramović ist weltberühmt.

Neapel 1974: Abramović ist das Objekt und übernimmt während der 6-stündigen Performance jede Verantwortung. Die Besucher dürfen sie mit 72 Gegenständen „bearbeiten“. Es fließt Blut, es kommt zu Gewalt, Qual und Angst. Der zentrale Aspekt ihrer Kunst wird geboren. Das Zusammenspiel zwischen Performer und Publikum.

Nach jahrzehntelanger Radikalität liegt heute ihr Hauptinteresse in dem Wunsch, den Menschen eine Möglichkeit zu schenken, mit sich selbst in Kontakt zu treten. Neben der Kunst treibt Abramović die ungestillte Sehnsucht nach erfüllter Liebe um und von dieser schreibt sie mit einer Offenheit, die sie in ihrer ganzen Verletzlichkeit zeigt: Ihre Kindheit in Jugoslawien, geprägt von der Strenge und Kälte der Mutter. Ihre Sehnsucht nach Schönheit, nach Selbstannahme. Das Zerbrechen der Beziehung zu ihrer großen Liebe, dem Künstler Ulay, mit dem sie nomadenhaft und kunstschaffend durch die Welt zieht und der Jahrzehnte später vor Gericht seinen Anteil an ihrer Kunst einklagt. Eine atemberaubende und aufregende Biografie einer Ausnahmekünstlerin, die noch lange nachklingt.

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Fremde Seele, dunkler Wald von Reinard Kaiser-Mühlecker. S. Fischer, € 20,00

„Der Himmel hing tief und grau über dem weiten, von einer über 3 Meter hohen Autobahnbrücke überspannten Tal“. In jenem oberösterreichischen Tal liegt der Bauernhof einer Familie, das Dröhnen der Fahrzeuge ist Tag und Nacht zu hören. In den Mittelpunkt der Handlung stellt der junge österreichische Autor die beiden so verschiedenen Brüder Alexander und Jakob. Alexander, der eigentlich Priester werden wollte, geht nach einem abgebrochenen Studium zum Militär. Nach seinem Einsatz im Kosovo bekommt er eine Stelle im Verteidigungsministerium in Wien. Der jüngere wortkarge Jakob liebt Felder, Wald und Wiesen und arbeitet auf dem Hof. Der Vater versteigt sich in illusionäre Projekte und muss Stück für Stück sein Land verkaufen. Der Großvater beschäftigt sich mit der Verwaltung seines Vermögens, die engstirnige Großmutter verschenkt es nach dessen Tod an eine rechte Partei, anstatt es ihrem Enkel Jakob für die Erhaltung des Hofes zu geben. Jakob sucht anderswo Arbeit und verstrickt sich in eine unglückliche Beziehung.

Fast resignierend werden die wirtschaftlichen Umwälzungen auf dem Land sowie die Veränderungen in der Familie, im Beruf, in der Liebe hingenommen, dramatische Ereignisse werden im Dorf kaum besprochen. Die Schicksale der Menschen berühren und entfalten sich ungemein spannend – mit Hilfe einer Sprache, die kühl, realistisch und detailreich ist und darüber hinaus ganz wunderbare Landschaftsbilder zeichnet.

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Auswahl & Texte von Ragna Lüders, Sinje Hansen, Tina Seelandt, Anneliese Runge, Eva Jakobeit, Claire Erasmy, Henner Haß und Thomas Bleitner


Tel. 040 40 57 27 - Fax 040 490 53 29 - Mail: info@buchhandlunglueders.de 
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Buchhandlung & Antiquariat Lüders  Heußweg 33  20255 Hamburg

 


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